Eberspächer: Revolution am Auspuff

Vorne ein dezentes Nageln, hinten nichts. Ganz anders mit eingeschaltetem Eberspächer Active Sound. Eine Geräuschkulisse, vielleicht vergleichbar mit der eines Maserati V8.Eberspächer Entwicklungsleiter Mathias Keck hatte sichtbar Freude bei der Vorführung der Testfahrzeuge und den Reaktionen der anwesenden Journalisten.
Der Audi A4 Avant 2.7 TDI, der unter anderem zum Test zur Verfügung stand, ist sicher ein tolles Auto. Doch, wie es bei Dieseln halt üblich ist, kann der Sound nicht wirklich überzeugen. Vorne ein dezentes Nageln, hinten nichts. Ganz anders mit eingeschaltetem Eberspächer Active Sound. Eine Geräuschkulisse, vielleicht vergleichbar mit der eines Maserati V8, sonor bis heiser, vollmundig, großvolumig, extrem anmachend, Sucht fördernd, aber nicht laut. Einen Diesel mit so einem Sound hatte keiner der Anwesenden je gehört. Kein Wunder, denn das Eberspächer Active Sound beschreitet völlig neue Wege.

Die physikalische Gegebenheit, die sich das System zu Nutze macht, wurde bereits vor mehr als 70 Jahren entdeckt. Der deutsche Physiker Paul Lueg meldete 1933 ein Patent zur aktiven Lärmkompensation durch Antischall an. Seine Forschungen hatten gezeigt, dass sich ein Geräusch eliminieren lässt, wenn es mit einem exakten gegenphasigen Geräusch überlagert wird. Ein Effekt, den jeder von uns schon einmal zu Hause erlebt hat, wenn er seine Stereolautsprecher versehentlich verpolt angeschlossen hat und sich wundert, dass er keinen satten Bass hört. Das ist das Prinzip. Doch der Weg bis hin zum nun vorgestellten Active Sound von Eberspächer war weit. Rund neun Jahre hat die Entwicklung bis zur Serienreife in Anspruch genommen. Nach weit mehr als 50.000 Testkilometern mit dem aktuellen System ohne Störungen ist das System nun serienreif.

Die technische Umsetzung erlaubt den Verzicht auf Schalldämpferboxen im herkömmlichen Sinn. Kurz vor dem Endrohr befindet sich lediglich ein Y-Abzeig, der auf der einen Seite ein kugelförmiges Gehäuse von ca. 15cm Durchmesser besitzt, in dem ein Schallwandler, also im Prinzip ein Lautsprecher, sitzt. Ein wesentlicher Meilenstein für das heute serienreife Active-Sound-System war daher die Entwicklung von Lautsprechern, die solchen Anforderungen dauerhaft standhalten sowie eine Schalldämpferkonstruktion, die diesen Lautsprecher optimal schützt. Schließlich herrschen in einer Abgasanlage extreme Umgebungsbedingungen: Große Temperaturunterschiede von minus 30 bis plus 700 Grad Celsius, Feuchtigkeit, aggressives Kondensat, hoher Schalldruckpegel und starke Vibrationen.

Das zum System gehörende Steuergerät ist mit dem Hauptsteuergerät des Fahrzeugs verbunden und greift Daten wie die Gaspedalstellung, die Motor-Drehzahl und einige weitere fahrdynamische Werte ab. So wird das perfekte Timing und die richtige Stärke des Antischalls gemanagt. Über einen Verstärker wird der Schallwandler im Activator, dem „Lautsprechergehäuse“, angesteuert, der die im Steuergerät des Active Sound Systems hinterlegten Frequenzspektren überträgt und damit den gewünschten Auspuffklang erzeugt.

Um diese modulierenden Frequenzspektren definieren zu können, wird vom Auspuffgeräusch des Fahrzeugs ein Soundfile erstellt, der dann in einer Analyse rechnerisch dargestellt werden kann. Wie bei einer Musikaufnahme werden in einem Tonstudio nun die so genannten akustischen Genabdrücke des Autos behandelt, bis der gewünschte Klang entsteht. Dabei gehen die Möglichkeiten weit über das Erlebnis des Klangbildes eines sportlichen Auspuffsounds hinaus. Denn es geht nicht nur sportlicher, es geht auch leiser, oder sanfter, oder luxuriöser. Aus einem Vierzylinder lässt sich akustisch ein Sechs- oder Achtzylinder machen. Bei Verbrennungsmotoren ermöglicht das System eine hochwirksame Schalldämpfung um bis zu 20 Dezibel – was zu wesentlich geringeren Abgasgeräuschen und damit zu deutlich weniger Lärmbelästigung führt.

LKWs und Busse können also erheblich im Auspuffgeräusch gedämpft werden, ebenso Motorräder oder Gabelstapler oder Baumaschinen. Das Anwendungsgebiet ist schier unendlich und bietet ungeahnte Möglichkeiten. Auch zukünftige Elektrofahrzeuge können von der innovativen Technik profitieren, wie am Beispiel des RINSPEED Konzeptfahrzeugs IChange gezeigt wurde. Denn ob das lautlose Dahingleiten eines rein elektrisch angetriebenen Fahrzeuges den Zuspruch der Konsumenten bekommt, man weis es noch nicht. Sicher ist aber schon jetzt, dass das fehlende Fahrgeräusch eines Elektroautos ein nicht zu unterschätzendes Sicherheitsrisiko darstellt. Man hört es nicht mehr, wenn ein Auto kommt. Das steigert die Unfallgefahr erheblich! Deshalb geht man bei Eberspächer davon aus, dass den Fahrzeugen in der Praxis ein "Laufgeräusch" vorgeschrieben werden wird. Auch hier greift Eberspächer Active Sound.

Dank der neuartigen Konstruktionsweise ist es nun möglich, Abgasanlagen für eine ganze Baureihe binnen kurzer Zeit "vom Labor auf die Straße" zu bringen.
Als Beispiel soll die 3er-Baureihe von BMW gelten. Es gibt Vierzylinder Diesel, Vierzylinder Benziner, Sechszylinder Diesel und Sechszylinder Benziner. Bislang wurden vier unterschiedliche Abgasanlagen verbaut. Die natürlich alle einzeln entwickelt wurden, die unterschiedliche Werkzeuge zur Produktion erfordern und die der Hersteller bevorraten muss. Da die Hardware des Eberspächer Active Sound aber für ganze Hersteller-Plattformen genutzt werden kann, muss lediglich die Software an die jeweilige Motorisierung angepasst werden. Die eigentliche Auspuffanlage wird ein Universalteil für alle Motorentypen. Ein weiterer Pluspunkt ist die kompakte Bauweise: Der neue Schalldämpfertyp hat ein bis zu 60 Prozent geringeres Volumen, benötigt entsprechend weniger Platz im Unterboden des Fahrzeugs.

Demzufolge kommt bei der Produktion der Abgasanlage auch weniger Material zum Einsatz. Zudem ist die Active Sound Abgasanlage ein Leichtgewicht und wiegt bis zu 40 Prozent weniger als herkömmliche Systeme. Durch den Verzicht auf strömungsungünstige Kammerschalldämpfer kann das System auch beim Abgasgegendruck punkten: Möglich ist eine Reduzierung um bis zu 150 mbar. Das macht sich – besonders bei Spitzenleistungen – durch reduzierten Kraftstoffverbrauch und einen geringeren CO2-Ausstoß positiv bemerkbar. Die Einsparung liegt im Mittel bei zwei bis drei Prozent. Das ergäbe, hochgerechnet auf einen Fahrzeugbestand von 47 Millionen in Deutschland, eine Einsparung von ca. 25 Millionen Tonnen Co2 Ausstoß pro Jahr! Bei dieser Summe von Vorzügen wundert es nicht, dass bereits ein erster Automobilhersteller größtes Interesse am System bekundet hat. Der Einzug in die Serie wird aller Voraussicht nach in nächster Zukunft erfolgen.

Über Eberspächer
Eberspächer zählt weltweit zu den führenden Systementwicklern und -lieferanten für Abgastechnik und Fahrzeugheizungen und engagiert sich zudem in der Fahrzeugelektronik und bei automobilen Bussystemen. Kunden sind nahezu alle europäischen und nordamerikanischen Pkw- und Nfz-Hersteller. 2008 hat die international tätige Unternehmensgruppe mit rund 5500 Mitarbeitern in 19 Ländern einen Umsatz von über 2,2 Milliarden Euro erwirtschaftet.

Kategorie: Auto News

Schreibe einen Kommentar

<- Zurück zu: Auto, Tuning und Motorsport Magazin
Home Auto Auto News Eberspächer: Revolution am Auspuff