Auch wenn nach einem spannenden Langstrecken-Marathon der Vorsprung von Audi nur 4.32 Minuten betrug. Die Entscheidung zugunsten Audi fiel am Sonntag (15. Juni 2008) in den frühen Morgenstunden als der einsetzende Regen für weitere Brisanz des deutsch-französischen Duells sorgte. Der R10 TDI mit der Startnummer 2 (Dindo Capello, Tom Kristensen und Allan McNish) übernahm die Führung und gab sie bis Rennende um 15 Uhr nicht wieder ab.
Dabei sah es zunächst nach einer Peugeot Dominanz aus, die von Startplatz eins bis drei ins 24-Stunden-Rennen gegangen waren. Schon die 1000 km-Klassiker der Le Mans Series 2008 in Barcelona, Monza und Spa konnte Peugeot mit dem 908 HDi FAP gewinnen. Allerdings wurden die sportlichen Karten in Le Mans vor knapp 260 000 Zuschauer neu gemischt. „Es war ein außergewöhnlicher Zweikampf und ein spannendes Rennen. Es gibt nichts vergleichbares, vor allem nicht in Le Mans. Uns fehlt hier noch die Erfahrung. Wir hatten mit einem Batterieschaden und Getriebeproblemen bei der Startnummer acht Schwierigkeiten, die zuvor nie aufgetreten waren. Klar ist, wir kommen 2009 zurück. Wir haben viel aus dem diesjährigen Rennen dazu gelernt, wovon wir in der Vorbereitung auf das nächste Jahr profitieren werden“, sagte Bruno Famin, Technischer Direktor von Peugeot Sport, nach dem Rennen.
Die eigenen Gesetze, die beim Klassiker in Le Mans herrschen, kennt Audi besonders gut. Im Verein mit dem großen Erfahrungsschatz, aus insgesamt acht Teilnahmen seit 2000, bilden das Gesamtkonzept für den Sieg der Volkswagen-Tochter. Konnte Audi wieder einmal den berühmten „Vorsprung durch Technik“ unter Beweis stellen? Die Antwort heißt: Ja. „Die 24 Stunden von Le Mans 2008 werden als ein einzigartiges Rennen in die Geschichtsbücher eingehen. Es war über die gesamten ein spannendes Rennen. Obwohl wir nicht als Favorit ins Rennen gegangen sind, ist es uns gelungen, uns durch konstant gute Leistung und keinerlei Fehler am Ende durchzusetzen – und zwar gegen einen wirklich starken Konkurrenten“, freut sich Dr. Wolfgang Ullrich, Audi Motorsportchef. Das Erfolgsrezept hieß die richtige Reifenwahl zum richtigen Zeitpunkt getroffen zu haben. Hintergrund: Das Audi Sport Team war mit einer Abstimmung ins Rennen gestartet, die den besten Kompromiss für trockene und nasse Streckenfahrbahn war. Während die Konkurrenz im Laufe des Rennens auf ein Regen-Setup umbaute, blieb es bei Audi nur bei Reifenwechseln – hier konnte wertvolle Zeit gewonnen werden.
Mit dem Sieg in diesem Jahr baute der Däne Tom Kristensen seinen Rekord auf acht Le Mans Siege (!) aus. Der Italiener Dindo Capello siegte nach 2003 und 2004 zum dritten Mal. Für den Schotten Allan McNish war es der zweite Le Mans Sieg nach 1998 im Porsche 911 GT1 und der erste mit Audi. Die beiden anderen Auid R10 TDI kamen auf die Platz vier (Luhr/Prémat/Rockenfeller) und sechs (Biela/Pirro/Werner), da zwischen schob sich der dritte Peugeot 908 HDi FAP mit Lamy/Sarrazin/Wurz am Steuer.
Dennoch kann Peugeot mit Platz zwei und drei zufrieden sein. „Wir wussten, dass das Rennen nicht einfach wird. Aber ich bin enttäuscht, dass wir nicht gewonnen haben. Man muss jedoch anerkennen, dass unser Gegner eine tolle Arbeit geleistet haben. Am Ende haben wir alles gegeben, um wieder die Führung zu übernehmen und sind Risiken bei der Reifenwahl eingegangen, weil wir reagieren mussten,“ zieht Nicolas Minassian eine kurze erste Bilanz, der gemeinsam mit seinen Teamkollegen Marc Gené und Jacques Villeneuve (Startnummer 7), als Zweiter im Peugeot 908 HDi FAP nach rund 5200 Renn-Kilometer die Ziellinie überfahren hat. Frank Montagny, Ricardo Zonta und Christian Klien erkämpften sich den dritten Platz und standen ebenso auf dem Podest. „Mein erster Start bei diesem legendären Rennen war eine tolle Erfahrung. Ich freue mich, dass ich auf Anhieb auf das Podium gefahren bin“, freut sich Klein. Auch wenn Peugeot mit einer hochrangigen Fahrer-Mannschaft mit großer Formel 1-Erfahrung am Start war, zum Sieg reichte es in diesem Jahr noch nicht.
„Ich gratuliere Audi zu diesem Erfolg. Wir waren hier die Herausforderer und haben einen guten Kampf geliefert. Im nächsten Jahr werden wir wieder angreifen“, kündigt Michel Barge, Sportdirektor Peugeot, an. Eine erste Analyse nach dem Rennen ergab: Der Peugeot 908 HDi FAP kam mit den wechselnden Wetterverhältnissen nicht sonderlich gut zurecht, es fehlt gegenüber dem Audi R10 TDI auf nasser Fahrbahn deutlich an Grip, was sich für Peugeot natürlich als einen gravierenden Nachteil herausstellte. Als Trostpflaster bleibt den Franzosen ein neuer Rundenrekord, den Pole-Mann Stephane Sarrazin mit 3:19.394 Minuten im Peugoet 908 HDi FAP auf der 13.629 Kilometer langen Strecke am Stadtrand von Le Mans aufgestellt hat.
Neben Audi gab es in Le Mans aber noch einen weiteren Sieger: Porsche. Hintergrund: Das 55 Autos starke Starterfeld setzt sich aus vier verschiedenen Klassen zusammen, die alle gleichzeitig starten, aber auch getrennt gewertet werden. Das 24-Stunden-Rennen in Le Mans orientiert sich am technischen Reglement der europäische Le Mans Series (LMS); dagegen hat die American Le Mans Series (ALMS) ihr Reglement leicht verändert. Dort liegen die Autos der LMP1 und LMP2 enger zusammen.
Neben den Sportwagen der Klasse LMP1 (Audi und Peugeot), die bis zu 750 PS bei einem Mindestgewicht von 900 kg leisten, starten die Sportwagen-Prototypen der Klasse LMP2, deren Saugmotor rund 475 PS bei einem Mindestgewicht von 825 kg leisten. Und in dieser Klasse kann Porsche mit dem RS Spyder gleich einen Doppelsieg feiern. Nach einer fehlerfreien Fahrt ohne jeglichen technischen Probleme kamen die Niederländer Verstappen/Bleekemolen/van Merksteijn als erste über die Ziellinie vor den Markenkollegen Nielsen/Elgaard/Maassen. „ich freue mich sehr, dass die Erwartungen unserer Kundenteams erfüllt wurden. Der RS Spyder hat bewiesen, dass er nicht nur schnell, sondern auch besonders zuverlässig ist“, sagt Porsche Motorsportchef Hartmut Kristen.
In der Klassen GT1 (stark modifizierte Seriensportwagen bis zu 650 PS stark) ist Porsche nicht vertreten – hier siegte Aston Martin. Dafür ist die Stuttgarter Sportwagenschmiede aber in der Klasse GT2 (leicht modifizierte Seriensportwagen mit bis zu 470 PS stark) am Start. In diesem Jahr dominierten dort die Ferrari F430 GT. Porsche belegt hier mit dem 911 GT3 RSR die Plätze fünf und sechs. Kirsten erläutert: „Auch die Perfomance des 911 GT3 RSR war hervorragend. Doch leider haben gleich zwei Autos durch einen unglücklichen Unfall in der Anfangsphase ihre Chance auf einen Klassensieg verspielt.“ (ar/pha)























